Chinas Hochseeflotte
Die treibende Kraft der monströsen Kaiserlichen Hochseeflotte war der Großeunuch Zheng He. Heute verkörpert er wie kein anderer Chinas Aufbruch in neue Welten. Seine Karriere war so ungewöhnlich wie das Flottenprojekt selbst. Um Chinas Vorherrschaft in Asien zu festigen, gab er im Jahre 1403 eine mächtige Hochseeflotte in Auftrag, die Hunderte von Schiffen umfassen sollte. Neben der Großen Mauer war der Werftbetrieb das größte Bauvorhaben im Reich der Mitte. Aus allen Provinzen meldeten sich Handwerker, mehr als 20.000 Spezialisten kamen zum Einsatz, um die Flottenfertigung voranzutreiben. Über Jahrhunderte hinweg konnte nicht vollständig geklärt werden, wie es gelang, die Schaffung dieser gigantischen Armada zu realisieren.
Letztlich umfasste die Flotte 320 Schiffe mit mehr als 28.000 Mann Besatzung. Als Befehlshaber dieses Verbandes fuhr Zheng He bis zum Persischen Golf und Mogadischou an der Ostküste Afrikas. Er knüpfte ein internationales Netz an Beziehungen. Es ging um Handel, Tribute, neue Absatzmärkte, poltischen Einfluss. Zur dieser Zeit wäre es China möglich gewesen, in der Welt eine führende Rolle zu übernehmen, sogar absolute Dominanz auszuüben. Doch aufgrund innerer Probleme begann das Land, sich abzuschotten. Nach Zheng Hes Tod 1433 entschieden sich die kaiserlichen Nachfolger sogar, aufgrund der hohen Kosten die See-Expeditionen einzustellen, was das Ende der Seemacht China bedeutete. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass sich China genau dann von den Weltmeeren zurückzog, als die Europäer begannen, sie zu erkunden. Wer weiss, ob es den europäischen Staaten gelungen wäre, den Globus politisch, militärisch und kulturell zu erobern, hätte China seine Präsenz auf den Weltmeeren ausgebaut. Was bleibt ist die Erinnerung an eine Zeit, in der China das Tor zur Weltherrschaft offen stand.









